Sonntag, 12. April 2015

Der Tragödie zweiter Teil



Vorweg: Ich habe eine Lehre aus meinem Abenteuer gezogen. Ich weiß jetzt, dass ich das nie wieder machen werde. 

Treffpunkt Römerplatz in Zwickau.

2 Uhr des Nachts:


9 verrückte Menschen treffen sich zu einer Wanderung der etwas anderen Art und sind voll motiviert. Noch. Nach dem Gruppenfoto unter der Laterne geht es auch schon los durch das nächtliche Zwickau. Bis zum Globus-Markt sind es zwei Kilometer und ich überlege: Man müsste also nur 30 mal hin- und herlaufen, um die 60 km voll zu machen. Na gut, ist ja nicht das Gleiche, also heiter weiter.

Es herrscht eine gute Stimmung und man lernt sich kennen und quatscht fröhlich miteinander. Weiter geht es an der Mulde.

Vorbei an der Bokwaer Kirche und nach Wilkau- Haßlau, rein über den Markt und beim "Haribo"-Werksverkauf vorbei. Leider noch geschlossen. 


Wir folgten dem Straßenverlauf noch eine Weile. Dann ging es weiter über Feldwege. Der Einsatz der Taschenlampe war gefragt, leider hatte das Ding einen Wackelkontakt. Wir unterhielten uns darüber, wie wir am besten lebend ans Ziel kommen. Dass es besser ist, nicht darüber nachzudenken, was weh tut und sich darauf zu konzentrieren, anzukommen. Haha was waren wir naiv.


 


Kurzer Kartencheck und weiter ging's bis nach Wiesen, vorbei an der Klinik und wieder über Feldwege nach Weißbach. Also, wenn ich dort wohnen würde, ich hätte schon irgendwie Angst gehabt, wenn des Nachts eine Horde berucksackter Menschen taschenlampenleuchtend durch den Ort ziehen würde. Dann kamen wir zur B93 und mussten dort ein ganzes Stück dem Straßenverlauf folgen. Irgendwann erfolgte der Sonnenaufgang und wir sahen in weiterer Ferne unseren ersten kurzen Zwischenstopp leuchten: Eine Tankstelle, die wir etwa gegen 6 Uhr in der Früh mit unserer Anwesenheit beglückten und der Verkäuferin mit unserer Geschichte Gesprächsstoff für den ganzen Tag verschafften. Letztendlich fand sie es dann vielleicht doch nicht so schlimm, an diesem Samstag arbeiten zu müssen. 


Also noch schnell den Klogang erledigen und einen Kaffee getrunken und weiter. Halb sieben sind wir auf dem Marktplatz in Schneeberg angekommen und haben erstmal Frühstück gemacht. (Im Übrigen öffnen sowohl Blumenladen, als auch Bäcker schon recht zeitig in Schneeberg...

In Schneeberg auf dem Marktplatz machten wir die Frühstückspause. Hier verließ uns der erste Mitstreiter aufgrund von massiven Fußproblemen. 


20 km waren geschafft und wir noch alle guter Dinge. Das war doch bis hierher alles ganz gut gegangen. 





Zu acht zogen wir nun weiter durch Schneeberg und kamen über irgendwelche Wege nach Bad Schlema. 

Vorbei am Kurbad mit Osterbrunnen und dann ging's mitten durch den Wald über irgendeinen Hügel, um die Straße auf der anderen Seite zu erreichen. 

Mitten auf diesem Hügel stand ein Haus, umzäunt von Stacheldraht. Hundegebell empfing uns. Nix wie weg hier! Wir kamen auf die große Straße und waren in Aue-  und weiter die Straße entlang. Über den Markt liefen wir durch Aue hindurch. 

Bei km 30 verließ uns das nächste Gruppenmitglied - mein mich angemeldet habender Göttergatte! - aufgrund von Magen- u. Darmproblemen. Noch sieben Leute unterwegs und endlich ging es rein in den Wald. 
Jetzt machten sich so langsam die ersten Schmerzen in den Beinen bemerkbar. Verschiedene Dehnübungen brachten Linderung, aber wir fühlten uns schon etwas angeschlagen. 


Vielleicht kann man sich das so vorstellen, als ob die Beine jetzt doppelt so viel wiegen und man diese Dinger mit schleppen muss.

Unser Anführer gab uns dann einen Hoffnungsschimmer, denn nur noch ein bissl geradeaus, und dann links rum, und wir sind in Lauter, da gibt es eine Brücke, und dort sollte eine längere Pause stattfinden. Aber erst trafen wir noch eine nette Frau in Lauter, die uns viel Vergnügen wünschte. Das Vergnügen war hier schon vorbei und so langsam kam bei uns allen der Galgenhumor durch. Das war auch ein sehr witziger Teil der Wanderung. Schnell vor vorbeikommenden  Autos auszuweichen war manchmal einfach nicht mehr möglich, wir schlichen förmlich von der Fahrbahn. Dann kam endlich diese Brücke in Sicht - und Pause.

Ich konnte mir nicht vorstellen, hier wieder aufzustehen und weiterzulaufen. Irgendwie taten mir jetzt schon die Beine zur Genüge weh, vor allem Schmerzen in den Hüften und Knien machten sich bemerkbar. Die Pause war allerdings sehr lustig, lag vielleicht auch am Rosmarinschnaps, der jetzt rumging. Ich glaube, der war eigentlich für den Fichtelberg geplant. Gut, dass wir ihn jetzt schon getrunken haben, denn auf dem Berg wollte keiner mehr was. Mit ausgestreckten Beinen lagen wir halb auf der Brücke rum und zwischendurch mussten wir unsere Beine vor vorbeikommenden Radfahren retten und mit den Händen wegheben, irgendwie war die Muskulatur eingeschränkt. Nachdem wir beschlossen hatten, dass es jetzt weitergeht, mussten wir uns erst einmal wieder hochquälen und in Gang kommen. Die ersten 100 Meter nach dieser und jeder folgenden Pause waren die schlimmsten. Die Gangart ähnelte Entenwatscheln. Wir watschelten also weiter durch den Ort und ich bekam richtig fiese Schmerzen hinten im Knie. Es war, als würde da hinten immer etwas drüberschrappen... Interessanterweise ging es den Füßen erstaunlich gut, aber das linke Bein war echt mitgenommen und ich hievte es förmlich vorwärts. Die Zeit für das isotonische Getränk war gekommen, dazu gleich noch einen Powerriegel. Leider war das wohl keine gute Idee, denn ab da war mir auch noch total schlecht. Zwischendurch sahen wir ein Auto, einladend hatte es die Türen geöffnet und eine Mitstreiterin und ich überlegten, wie es wäre, jetzt einfach das Ding zu klauen und loszufahren. Diese Wahnvorstellungen wurden sicher durch das Getränk hervorgerufen. Wir hätten den Besitzer allerdings um Geduld bitten müssen, denn das wäre sicher der langsamste Diebstahl der Welt geworden. Unsere Vorwärtsbewegung glich jetzt schon einem schnellen Schneckentempo. An der Tankstelle in Grünstädtel bei ungefähr 40 km hatte ich einen echten Tiefpunkt und hätte beinahe aufgegeben. Wir schlurften in die Tankstelle und ich schaute den Tankwart nur an und hauchte das Wort: "Toilettenschlüssel, bitte." Anscheinend sahen wir schon so bemitleidenswert aus, dass er ohne zu zögern das Ding rüber reichte. Nach erfolgtem Toilettengang und Dopings mit Schmerztabletten für das bescheuerte Knie ging es weiter durch den Ort. Bei der Überquerung einer Straße hörte ich von hinten Baggergeräusche und ich schlurfte einfach weiter auf die andere Seite, was mit Hupen des Baggerfahrers quittiert wurde. Er bekam von mit nur einen müden und unverständigen Blick zugeworfen, er hatte ja keine Ahnung. Langsam setzte die Wirkung der Schmerztablette ein. Mein Knie fühlte sich auch wieder wie eins an und ich fand meinen Wanderschritt wieder. Jetzt ging es wieder einmal bergauf und wir setzten uns ein Ziel. Einige hundert Meter vor uns sahen wir einen älteren Mann mit Nordic-Walking-Stöcken und beschlossen, ihn einzuholen und ihm auf hinterhältige Art seine Stöcke zu stehlen. Kurz bevor wir ihn erwischt hatten, überquerte der Mann die Straße und war für uns unerreichbar weit weg, jeder Meter will überlegt sein. Plötzlich hörte der Weg auf und wir mussten mal wieder an der Straße entlang über das Feld laufen.

Doch irgendwann ging es auch hier nicht so recht weiter und es blieb nur ein schmaler Weg zwischen Leitplanke und Hang, lustig übersät mit Müll und Steinen und hin - und wieder ein Gullideckel. Dann wurde der Weg besser, wir kamen nach Markersbach rein und da ging es dann zum Staubecken. Auf dem Weg dahin sahen wir ältere Menschen, die genauso liefen wie wir. Da war uns klar, dass es gut ist, dass unsere körperliche Verfassung nur vorübergehend ähnlich wie ihre war. Pause am Staubecken - mal ein Blasenpflaster geklebt und Brot und Wurst gegessen.

Die letzte Etappe bis zum Fichtelberg und gleichzeitig die anstregendste folgte jetzt. Es ging wieder los mit dem bekannten, schmerzhaften Entenwatschelgang nach der Pause. Eine zeitlang war es eigentlich noch ganz angenehm. Es ging geradeaus, leicht ansteigend durch den Wald und weiter und weiter und noch weiter und - wartet kurz - noch weiter, ach ja und weiter und irgendwann wurde ich langsamer und fand einen stoischen Gangrythmus, wenn man noch von Gehen sprechen konnte.

Die anderen in Sichtweite, hievte ich meine körperliche Hülle durch ein wunderschönes Waldgebiet, was mich aber herzlich wenig interessierte. Eigentlich hatte man nicht das Gefühl, auf einen Berg zu steigen und in meinem Kopf formierten sich Schimpfwörter immer in Kombination mit dem Wort "Berg": "Wo ist dieser .....-Berg?!", den Rest dürft ihr Euch denken. An irgendeiner der zahlreichen Kreuzungen hieß es dann: "Nur noch 7,5 km!" Okay, 7,5 km, diese Zahl stand mir vor Augen und war machbar. Also weiteres Traubenzuckerdoping und immer in Bewegung bleiben. Jetzt weiß ich auch, woher das Sprichwort kommt: "Wer rastet, der rostet.", denn genauso habe ich mich nach jeder noch so kurzen Rast gefühlt: Spontanverrostung! Dann das erlösende Schild: "Noch 5 km.". Das schaffe ich! Allerdings war noch ein steiler Anstieg vorausgesagt, das habe ich vorerst verdrängt. Laufen, laufen und laufen. An der nächsten Kreuzung, gefühlte drei Kilometer später, traf ich wieder drei meiner Mitbergsteiger, ebenfalls völlig k.o., nach dem Weg suchend und nicht glauben wollend, dass die Kilometerangabe von 4,3 auf dem nächsten Schild stimmen sollte, ebenso die Richtungsangabe direkt durch den Schnee den Wald hinauf. Na super, nochmal die letzten Kräfte mobilisieren und ab durch den Schnee nach oben, hoffend, dass dies der letzte Anstieg sei, von dem die Rede war. Malerisch zog sich eine leicht angetaute dicke Schneedecke durch den Wald und wir durchzogen diese mit unseren Fußspuren und ich schöpfte fleißig Wasser. 


Meine erhitzten Füße fanden das sehr interessant. Irgendwann sah es so aus, als ob nun endlich der Berg bezwungen sein würde: Eine Straße wurde sichtbar und ich atmete auf. Nur, wo war das Fichtelberghaus? Nein, da stand noch ein Schild: Nochmal 1,8 km! Was jetzt folgte, lässt sich nur schwer in freundliche Worte fassen. 

Kurz durch ein flaches Wegstück und dann steil bergan, zu allem Überfluss komplett verschneit. Jeder Schritt wurde zur Qual, und der Anstieg nahm einfach kein Ende. Nächstes Schild: Immer noch 1,5 km! Was?! Das sollen 300 Meter gewesen sein?! Irgendjemand hat sich hier wohl einen Scherz erlaubt. Nochmal ein steiler Anstieg und noch länger als der eben gemeisterte. 

Inzwischen war es mir egal, dass mein Schuhband aufgegangen war, denn ich wusste, wenn ich mich jetzt da runter beuge, komm ich nie wieder hoch. Zum Glück fand sich ein barmherziger Samariter, der mir half. 



"Noch 800 Meter", sagte uns das nächste Schild und wir schleppten uns dahin, immer das Ziel vor Augen. Das Dach des Fichtelberghauses tauchte auf. 




Die letzte Treppe hochgewankt und angekommen. Ich muss sagen, ich war einfach nur froh, endlich da zu sein. Rein ins Fichtelberghaus und eine heiße Zitrone getrunken, was gegessen und dann war schon das Abholauto da. Ich war völlig fertig und habe vor Erschöpfung total gefroren. Das Frieren war irgendwie das Schlimmste. Ich wurde dann nach Zwickau gefahren, wo ich in unser abgestelltes Auto stieg. Als ich mich in eine halbwegs fahrtüchtige Position zurechtgeschoben hatte, habe ich erstmal die Heizung vollständig aufgedreht und bin nach Hause gefahren. Zum Glück hat niemand gesehen, wie ich im Schneckentempo vom Auto zur Haustür gekrochen bin. Schön, dass die Treppen Geländer haben! Oben angekommen, war der erste Weg direkt in die heiße Badewanne und danach ab ins Bett. Heute früh hatte ich den schrecklichsten Muskelkater meines Lebens. Mittlerweile kann ich sogar wieder halbwegs laufen. Ein Hoch auf die Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung! Sollte ich je erwähnen, dass ich überlege, nochmal mit auf den Fichtelberg zu gehen, sperrt mich in ein Zimmer und lasst mich erst wieder raus, wenn ich zur Vernunft gekommen bin.

Freitag, 10. April 2015

60km

Rückblick

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus oder vielleicht besser Blasen. Vor einigen Monaten bekam mein Mann eine E-Mail mit der Anfrage, ob jemand Lust hat, am 11.4. von Zwickau aus mit zum Fichtelberg zu laufen. Sind ja nur 60 km. Mein Mann wollte gern mitmachen und am Abend verkündet er ganz nebenbei: "Ich hab dich auch mit angemeldet!" Ääääh, was?! Wie weit ist das?! 60km?!!! Okay. Das war, wie gesagt, vor einigen Monaten und nun sind es nicht einmal mehr zwei Wochen. 
Ich habe mich natürlich sehr auf diese sportliche Höchstleistung in meinem Leben vorbereitet. Ich habe mir diverse Sportsendungen im Fernsehen angeschaut. Unter anderem Biathlon und Skispringen, ist ja auch ganz schön anstrengend (also das Angucken). Dann habe ich mir Yoga Videos angeguckt. Okay, ich hab sogar mitgemacht. Betender Hund und Verrückte Katze sind jetzt keine Fremdwörter mehr für mich. Am zweiten Tage meiner Yoga-Exkursion bin ich dann direkt zu Yoga für Fortgeschrittene übergegangen. Kleiner Fehler, kann jedem Mal passieren. Ich kann es allen empfehlen, nach drei Tagen tut auch das Händewaschen gar nicht mehr weh und Laufen geht auch wieder. Leider habe ich mir dann einen Bänderschaden am Fuß zugezogen und musste meine intensiven Vorbereitungen unterbrechen. Sport konnte ich nur noch über "learning by watching" betreiben und fühle mich jetzt extrem fit, nächsten Samstag mitten in der Nacht aufzustehen und loszulaufen.
Was ich mir davon verspreche? Keine Ahnung! Aber warum nicht einfach mal etwas Verrücktes tun. Ich werde jetzt noch bissel Sport gucken und mich im Laufe der nächsten Woche einmal informieren, was man so alles bei einem Fußmarsch dieser Länge braucht und was nicht.

31.3.
Ich habe ein wenig Angst oder besser gesagt Respekt bekommen, als ich diverse Outdoorseiten im Internet besucht habe. Dort heißt es, man soll sich vorbereiten auf solche langen Wanderungen und mit Kurzstrecken anfangen und langsam steigern: 5,7,10,15 km und so weiter. Tja, die Zeit hab ich jetzt leider nicht mehr. Allerdings laufe ich ja sowieso viel herum, vielleicht zählt das auch. Manchmal schleppe ich sogar noch Gepäck in Form eines Kindes mit. Das wird also nichts mit der perfekten Vorbereitung (das war mir wahrscheinlich schon länger klar). So müssen wenigstens die Rahmenbedingungen stimmen.
Die heutige sportliche Vorbereitung bestand darin, mit einer Freundin ins Kino zu gehen und zwei kleine Flaschen Sekt reinzuschmuggeln - hat funktioniert.

1.4.
Okay, jetzt aber mal wirklich losgelegt und zumindest schon mal für das gute Gefühl etwas eingekauft. Mitgebracht habe ich von meinem ersten Beutezug: Energieriegel in diversen Geschmacksrichtungen und ein paar neue Socken - spezielle Wandersocken - kamen auch noch in den Einkaufskorb. Mmh... und jetzt? Reicht erstmal! Zum Glück kommt jetzt erst mal Ostern, der Verdrängungsmodus ist aktiviert.

Ostern Ostern Ostern

7.4. 
Ich müsste mich mal wieder mit dem Thema Wandern auseinandersetzen. Und so denke ich zumindest darüber nach, meine Laufschuhe sauber zu machen und sie den ganzen Tag zu tragen. Schon beim Gedanken daran, wie es sich anfühlen wird, den ganz Tag in Laufschuhen durch die Wohnung zu gehen, verspüre ich wenig Lust, diese Aktion zu Ende zu bringen und widme mich lieber erfreulicheren Dingen. Näh ich doch lieber was Schönes.

10.4.
Heute bin ich richtig gut am Vorbereiten und Planen, wird ja auch Zeit, ne? Also nochmal losgezogen und mehr von diesen Energie versprechenden Riegeln gekauft. Außerdem noch echte Nahrung wie Brot, Käse, Wurst und auch Schoki musste sein, ach, und Mangostreifen - einfach weil die lecker sind. Und nicht zu vergessen: Wasser, viel Wasser. Als kleines Highlight im Gepäck habe ich noch Blasenpflaster besorgt. Zwischendurch fällt mir ein: Ich könnte ja mal auf die Packliste schauen. Upps, da steht: "Keine neuen Socken!" Mist. Also schnell die neuen Socken angezogen, damit die dann heute Nacht nicht mehr neu sind. Dann endlich den Rucksack gepackt. Viele Wechselshirts mussten rein, Messer, Deo, Handy, Kamera (um den Aufstieg auf dem Berg festzuhalten und meinen körperlichen Verfall zu dokumentieren). Und wer trägt das jetzt alles?! Wird schon. Nochmal die Liste checken und ... na toll, 'ne Taschenlampe fehlt noch, muss ich noch suchen... Geschafft. Jetzt hau ich mich erstmal 'ne Runde ins Bett und dann frisch ans Werk, äh, auf den Berg.
Als eines von neun Leutchen werde ich es heute Nacht angehen, im wahrsten Sinne des Wortes....

.....

Fortsetzung folgt

Freitag, 27. März 2015

Mützenzeit

Meine Kinder haben viele Mützen, meistens nur die nicht, die gerade gebraucht wird :). Im Herbst war es dann wieder soweit. Die Mützen passen nicht mehr, sind zu klein, zu groß und rutschen, bei der nächsten liegen die Ohren frei und bei der 100. ist das Muster falsch... und so weiter. 
Bei uns muss es am Morgen meist schnell gehen. Trotz ausgeklügeltem morgendlichem Plan kommt gern Hektik auf, und wenn man dann noch Tücher und Mützen suchen muss - über Handschuhe rede ich hier mal gar nicht - ist man schnell am Limit der Geduld. So habe ich mich an diese Strickmützen von früher erinnert, die Schlauchmützen, wo alles in einem war, also Mütze und Schal. Bei uns wurde diese Mützenart früher "Oma" genannt - warum auch immer. Ich habe sie wirklich nicht leiden können (die Mützen, nicht meine Oma[s]!). Außerdem gab es noch diese Strickmützen, wo oben so eine lange Strickbommel dran war... Bähhh. Grundsätzlich gefiel mir aber der Gedanke, Mütze und Schal in einem zu haben und die Ohren geschützt zu wissen. Also habe ich kurzerhand mein Schnittmuster für die Zwergenmütze (mein eigenes - kann sein, dass auch andere Mützen so heißen) hergenommen und es so verändert, dass eine Schlupfmütze daraus wurde, genauer gesagt: eine Zwergenschlupfmütze. Doppelt genäht für den Winter oder einfach genäht für die Übergangszeit. Unser jüngstes Kind ist damit prima über die kalte Jahreszeit gekommen. Auch jetzt trägt er sie noch. Für unseren Sechsjährigen ist das natürlich nichts mehr. Aber ich denke, bis zu vier Jahren kann man sie einem Kind bedenkenlos aufsetzen, ohne dass es dabei einen bleibenden psychischen (Mode-) Schaden erleidet.
Ich möchte dieses Schnittmuster gern mit Euch teilen, den Schnitt dazu findet Ihr hier:
Teil A klick und Teil B klick . 

Schnittmuster bestehend aus Teil A und Teil B ausdrucken und zusammenkleben.

Schnittteile mit Nahtzugabe wie folgt zuschneiden:

2x Außenstoff
2x Innenstoff
1x Bündchen 6 cm Breite und 40 cm Länge (je nach Bündchenqualität und -art kann die Länge variieren)




Jeweils bei Außen- und Innenmütze die Abnäher arbeiten und gegebenenfalls von außen mit einem Elastikstich abnähen.




Außenteile und Innenteile rechts auf rechts legen. Vom Scheitel zur Zipfelmütze nach hinten und vom Nacken zur Zipfelmütze zusammennähen. Schlupfteil freilassen und anschließend vorn zusammennähen und den Gesichtsteil freilassen. Jetzt habt ihr schon zwei Rohmützen fertig :).


Bündchen zuschneiden und zu einem Ring schließen. 


Außenmütze auf rechts wenden und Bündchen der Länge nach falten und gleichmäßig aufgeteilt rund um den Ausschnitt für das Gesicht feststecken. In der Nahtzugabe leicht gedehnt auf der Außenmütze festnähen.


Innenmütze rechts auf rechts auf die Außenmütze ziehen und wieder im Gesichtsfeld feststecken. Es liegen jetzt Außenmütze, Bündchen und Innenmütze übereinander. Beim Feststecken beachten, dass die Nähte der Außen- und Innenmütze übereinander liegen.



Zusammennähen und wenden, dabei Innenmütze in die Außenmütze stecken und die Zwergenspitzen ausformen. Das Bündchen kann von außen mit einem Elastikstick abgesteppt werden. 




Zum Schluss nur noch die untere Kante beider Mützen mit einem Overlockstich zusammennähen - und fertig ist die Zwergenschlupfmütze zum Wenden.



Unter allen, die hier im Blog oder auf meiner Facebook-Seite einen Kommentar hinterlassen, verlose ich eine Jungen- und eine Mädchenmütze.

                             


Mittwoch, 25. März 2015

"Frohe Ostern!" oder: "Wie mich Pikachu in den Wahnsinn treibt."

Gerade war doch noch Weihnachten - und schwupps, ist schon wieder Ostern. Zum Glück habe ich das noch rechtzeitig bemerkt. Man hat ja auch keine Chance, es nicht zu bemerken. Schließlich wird man beim Einkaufen im Supermarkt schon gefühlt ab Silvester mit Ostereiern bombardiert. Manche Discounter nehmen die bunten Eier gleich gar nicht aus dem Sortiment, so kann es schon mal zu Verwirrung kommen, wann denn wirklich Ostern ist...

Vor einigen Wochen habe ich im weltweiten Netz eine schöne Nähidee für ein Hasentäschlein gefunden und natürlich nicht abgespeichert. "Kein Problem", dachte ich mir heute, "kannst du selber machen, brauchst du keine Anleitung." Mit Anleitung wäre es definitiv schneller gegangen... Drei Anläufe habe ich gebraucht, um ein akzeptables Täschlein anzufertigen. Die Bilder dazu möchte ich Euch nicht vorenthalten. Wer gern selbst noch schnell einen Hasenkopf zum Befüllen nähen will hier habe ich das Schnittmuster hochgeladen klick.

Ihr braucht zum Nähen:

Baumwollstoffe
eventuell KamSnaps / Textilstifte
Naschzeug zum Füllen

Ich zeige Euch die Anleitung in Bildern und kurzen Erklärungen.

Das Schnittmuster je zweimal aus Außen- und Innenstoff zuschneiden, sowie einen Kreis aus Fleece-Resten (Durchmesser etwa 5cm) für den Hasenbuschel.




Jetzt für den Hasenschwanz mit Nadel und Faden einmal in lockeren Abständen  um den Kreis herum nähen und zusammenziehen, so dass ein kleiner Buschel entsteht.




Diesen dann an eine Rückseite des Außenstoffs nähen. Das ist ganz schön friemelig, lohnt sich aber.



Jetzt aus KamSnaps auf dem anderen Außenteil die Augen fertigen. Dabei nicht zu weit oben 
ansetzen, sonst sieht der Hase am Schluss nichts. Ich spreche aus Erfahrung... Wer keine KamSnaps hat, kann die Augen mit Textilstiften aufmalen, mit Nadel und Faden aufsticken, mit dem Plotter gestalten oder mit der Stickmaschine sticken.






Jetzt die Nase nach eigenem Gefallen anbringen und festnähen. Entweder, Ihr nehmt hier auch wieder einen KamSnap oder ein Stückchen Fleece und schneidet es in gewünschter Form zu.

Jetzt solltet Ihr einen schönen Außenhasen haben.

Es geht schon an das Zusammennähen. Das geschieht wie folgt: Dazu legt Ihr je ein Außenteil und ein Innenteil rechts auf rechts aufeinander und näht nur die Ohren fest (auf dem Foto etwa von Finger zu Finger rund um das Ohr).







Nahtzugaben zurückschneiden und die beiden Stoffteile wie auf dem nächsten Bild gezeigt übereinander legen und rundherum zusammennähen. 







An der Unterseite des Innenteils bleibt eine Wendeöffnung. Nahtzugaben zurückschneiden, Täschlein wenden und schön ausformen.

Wahlweise könnt Ihr vor dem Wenden auch noch an allen vier Ecken einen Abnäher machen, dann bekommt es mehr Halt.


Zum Schluss noch die Wendeöffnung verschließen und die Ohren rundherum absteppen. Fertig ist das Hasenköpfchen zum Befüllen. Ohren verknoten - und geschafft.

Wie bereits erwähnt, habe ich für ein zufriedenstellendes Ergebnis drei Versuche benötigt . 

Den Hasen Nr. 1 seht Ihr hier (zu kleine Ohren und zu gedrungen):

Hase Nr. 2 verwandelte sich von Pikachu in einen Riesenzahnhasen:



Hase Nr. 3 darf auch bald Süßigkeiten verstecken, derzeit sind es noch jede Menge Knöpfe.

Mittwoch, 11. März 2015

Buchstabensuppe

Traritrara, der Bücherwurm ist wieder da! Die Bücherwurmgeschichte dieser Woche trägt den Titel


"Mama, da steht ein Bär vor der Tür" 



Wer kennt das nicht: Da schaut man ahnungslos ins Treppenhaus - und da steht ein Bär. Na, das kann schon mal passieren, vor allem, wenn man im elften Stock wohnt.
Wie der Bär dahin kommt und was er dort will, das könnt Ihr in diesem schönen Kinderbuch - geschrieben von Sabine Lipan und Manuela Olten - nachlesen. Klare Bilder und einfache, gute Sätze im Frage-Antwort-Stil erzählen die Geschichte. 
Dass Kinder ganz genau aufpassen und mitdenken, durfte ich erneut erleben, denn auch Bären müssen beim Radfahren den Fahrradhelm zu machen. Geht ja gar nicht, dass der offen ist. Und wenn manch einer meint, der Bär hat eine Schweinsnase, dann ist das eben so. Schließlich schnarchen Bären bestimmt auch wie Schweine, manchmal zumindest. Die Geschichte endet mit einem Bild vom schlafenden Bären, der den Jungen - eine der Hauptfiguren der Geschichte - im Arm hält. Das kann dann schon zu der Annahme führen, dass es gefährlich sein könnte, so nah an einem Bären zu schlafen (macht man öfter mal). Möglicherweise wird man ja im Schlaf erdrückt.... ähm... ja.
Die Kinder fanden das Buch so toll, dass ich es gleich zweimal vorlesen musste. Zum Glück steht es jetzt eine Woche im Kindergarten und darf dort so oft angeschaut und gelesen werden, wie die Kinder es wollen.
Vielleicht habe ich Euer Interesse an diesem Buch geweckt und Ihr wollt es Euch selbst einmal ansehen? Dann ab in die nächste Bücherei oder den nächsten Buchladen und lasst Eurer Fantasie freien Lauf. Wer gleich mal schauen will: klick.

Heute gab es zum letzten Mal die Bücherwurm-Plaketten aus alten Schlüsselbändern zum Umhängen.




Frau Bücherwurm, also ich, wird sich mal um neue kümmern. Wie die dann aussehen, das zeige ich Euch bei der nächsten Buchstabensuppe.

Kurzgebloggtes

In der letzten Woche gab es eine kleine Umgestaltung meines Nähzimmers. Upps, jetzt schreibe ich schon "mein" Nähzimmer, denn eigentlich ist dieser Raum eher ein Raum für alle. Für Geburtstagsfeiern, Freundebesuche, Kinderpartys und Spielzimmer. Ganz heimlich habe ich dieses Zimmer nun in Besitz genommen und aus dem schnöden Wort "Mittelzimmer" ist ganz beiläufig das Nähzimmer geworden, mein Nähzimmer.

Bei der Umgestaltung hat frau natürlich Vorstellungen. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich sogar so etwas wie ein Farbkonzept im Kopf :).So wurde geschoben, umgestellt und weggeschleppt, nebenbei tapeziert und auch ein bisschen gehämmert. Leider passten nun diese schönen und wunderbar praktischen - leider grasgrünen - Regalkisten vom Möbelschweden nicht mehr zum Konzept.



"Mmh", dachte ich mir, "wozu hast du denn Nähmaschinen?" - und  los ging's. Als erstes habe ich alle Seiten vermessen und mir eine Skizze von jeder Seite gemacht, also ein Würfelnetzprinzip. Da der Boden bei meiner Kiste kein Quadrat ist, war das ganz hilfreich.In der Länge nach oben habe ich reichliche 10 cm hinzugefügt, um diese dann später in die Kiste einschlagen zu können.(Nahtzugaben beim Zuschnitt nicht zu knapp bemessen).

So sah das dann aus:


Hierbei kam es mir nicht darauf an, wie die Kiste von hinten und von den Seiten aussieht. Wenn Eure Kiste auch von den anderen Seiten gut aussehen soll, dann schönen Stoff verwenden.

Jetzt erst die Seitenteile der Reihe nach mit dem Boden verbinden und dann die Seitennähte schließen. Wer mag, kann jetzt den oberen Rand versäumen, umschlagen und ein Band einziehen.

Am schwierigsten war es, den Stoff über diese Kisten zu ziehen. Aber dafür saß dann alles schön stramm und ich musste den Stoff nur noch nach innen schlagen. Deshalb habe ich auch auf das Band zur Regulierung innen verzichtet, hält auch so.

Vorher:


Nachher:


Ich hoffe, Ihr hattet Freude an diesem kleinen Beitrag. Im nächsten Kurzgebloggten zeige ich Euch meine selbstgebaute 

"Muss-ich-mir-merken-darf-ich-nicht-vergessen-Zettelwand". 

Entstanden aus einem Reststück der Tapete, Holzleisten, Gummiband, Knöpfen und Heißleim. Eine Säge war auch im Spiel, begleitet vom Maßband, Hammer und jeder Menge krummer Nägel :).

Im Zimmer ist jetzt sogar so viel Stauraum entstanden, dass ich ganz flott meine Maschinchen vom Tisch räumen und in diversen Verstecken unterbringen kann - das bedeutet: Ruckzuck Platz für Freunde, Verwandte und Spontanbesuche (na gut, dafür räume ich die Technik nicht weg).

Liebe Grüße 
Eure Kathrin von kahoffel

Dienstag, 3. März 2015

Buchstabensuppe







Seit vier Jahren verwandle ich mich einmal in der Woche. Nein ich bin keine Fee, obwohl ich das manchmal gern wäre… Ich bin dann nicht mehr die Mama, sondern der Bücherwurm, „krieche“ in den Kindergarten unserer zwei Jungs und lese  Kindern, die Lust darauf haben, ein Buch vor. 

Kinder lieben lustige Bücher, viele Bilder dürfen es sein, aber bitte nicht so abstrakt, denn Kunst ist etwas für Künstler. :) 

In den Texten dürfen dann auch gern Worte wie „Pupsen“ oder „Popeln“ vorkommen, das sorgt für Gekicher und man sichert sich genaues Zuhören für die nächsten Minuten. Es könnte ja nochmal ein interessantes Wort kommen.

Die besten Geschichten sind die, die nicht offensichtlich belehren, sondern Spaß machen und trotzdem etwas beibringen. Ein schönes Gefühl, wenn die Kinder danach durch den Kindergarten düsen und den Erzieherinnen sprudelnd erzählen, was beim Bücherwurm dran war. 

Aus diesem Grund möchte ich Euch in dieser Rubrik "Buchstabensuppe" probieren lassen.

Die heutige Buchstabensuppe heißt:


Autoren: Katerina Janouch, Mervi Lindman, erschienen im ellermann Verlag



Dieses Buch begeisterte im Kindergarten die Kleinen und auch die etwas größeren Kinder. Pflaster haben scheinbar etwas Magisches an sich. 

In der Geschichte geht es um Greta, die nie genug Pflaster bekommen kann und sich an jede nur denkbare Stelle eins klebt - "Pflaster schmecken gut. Auf die Backe auch eins."

Dazu gibt es witzige Bilder zum Anschauen, Lachen und Mitfühlen. Es entstanden in der Vorleserunde heiße Diskussionen, wer wann schon mal ein Pflaster gebraucht hat und wer vielleicht gerade eins trägt.

Zum Schluss des Bücherwurms gab‘s dann noch für alle die wollten … genau … ein Pflaster.

Leider bin ich erst zu spät auf den Gedanken gekommen, dass sich Pflaster für kleine und große Wehwehchen prima selber lustig bunt verschönern lassen. 

Für Euch habe ich hier aber drei Ideen zum Selbermachen mitgebracht. Vielleicht eine tolle Sache für die eigenen Kinder, wenn sie mal wieder ein Pflaster brauchen, obwohl man gar nichts sieht. 

1. Pflaster bestempeln

Dies ist wahrscheinlich neben dem Bemalen mit Stiften die schnellste Variante, ein Pflaster schöner zu machen (Es sein denn, man kauft direkt Kinderpflaster - aber das kann ja jeder).

Kleine Kinderstempel benutzen und die Pflaster bunt gestalten - dabei können sogar die Kids beim Nachschub-Herstellen mithelfen.





2. Beplotten

Jaaaa, ich weiß, nicht jeder hat einen Plotter, aber ich schon ;) - und deshalb möchte ich Euch zeigen, was ich da mit den Pflastern angestellt habe. Für die Plotterbesitzer unter Euch sei gesagt, dass es auf den weißen Sensitiv-Pflastern am Besten funktioniert, die braunen Pflaster eigenen sich nicht.





3. Mit Stoff beziehen

Das geht super schnell und eignet sich prima für Stoffreste … die habe ich immer. Eine Anleitung, wie man diese Pflaster herstellt, habe ich nicht selber nochmal geschrieben, denn dazu gibt es schon ganz tolle, zum Beispiel hier: 


Ich habe natürlich auch eigene hergestellt.





Mein ganzer Haufen Pflaster geht heute Nachmittag dann auch direkt in den Kindergarten in die "Schäfchengruppe".

 
Viel Spaß beim Pflastern wünscht Euch Eure Kathrin von kahoffel.


(Link genehmigt von Frl. Paeng von BunteKnete; Coverbild des Buches genehmigt vom Ellermann Verlag)